Wolfsfrauen Interview: Ramona Weyde-Ferch

Die Vorstellung von wilden Frauen (den WolfsFrauen) ist eine fortlaufende Reihe, in der starke, selbstbewusste und authentische Frauen vorgestellt werden, die ihren ureigenen Weg gehen. Diese Serie soll inspirieren und uns Mut machen, unser wahres Ich zu leben. Heute freue ich mich sehr euch Ramona aka Jademond vor zustellen.

1.Wie beginnst du deinen Tag?

Mein Wecker klingelt derzeit um 6:20. Ich stehe auf, mache mich tagfertig, richte Frühstück für die Kinder und mich und schaue, daß alle angezogen und pünktlich, mit Brotzeit versorgt aus dem Haus kommen. Ich bringe den Sterngucker zum Schulbus, den Mann zur S-Bahn und den Wolf zur Schule. Ich möchte meinen Tag gern früher und in Ruhe starten und Meditationszeit einbauen. Das ist mir noch nicht ganz gelungen, da immer, wenn ich aufstehe, auch die Kinder wach werden. Da ist momentan gerade etwas im Umbruch mit meiner Morgenroutine, vorallem seit der Mann begonnen hat, früh aufzustehen und zu meditieren. Ich möchte das auch gern.

 

2. Was tut dir gut und wann bist du so richtig glücklich?

Glücklich bin ich, wenn ich im Moment bin. Wenn ich male, schreibe oder schwimme und mein Fokus allein dabei ist. Wenn ich ganz bei mir bin und durch nichts abgelenkt. Das tut mir gut, dann bin ich richtig glücklich. Das kann auch ein gutes Essen mit Freunden sein oder ein tiefes Gespräch.

3. Was tust du, wenn du gestresst bist oder dich nicht gut fühlst?

Ich schaue, wo ich Ruhe finde. Was ich in dem Moment tun kann, um mich zu stärken. Das kann bewusst gutes Essen sein oder eine Pause. Ich versuche innezuhalten und zu atmen. Atmung ist total wichtig. In Stresssituationen vergessen wir das schnell. Je nachdem, was gerade los ist, hilft mir auch eine gezielte Yogaübung, zurück in die Balance zu finden. Früh ins Bett gehen und Schlaf sowieso. Badewanne, mal rauskommen und Abstand haben. Ganz nach Stressfaktor und Grund meines Unwohlseins.

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4. Welche Dinge tust du für dich (Self-Care-Routine)?

Ich gehe regelmässig Schwimmen, jeden Monat gönne ich mir eine Massage. Ich treffe meine Freundinnen vom Mütterkreis, buche mir Wochenenden mit Freundinnen. Ich gehe jeden Monat einmal mit meinem Mann essen und verbringe dieses Jahr zwei Wochenende mit ihm allein im Wellness-Hotel. Im Alltag achte ich auf nährendes und frisches Essen, ausreichend Schlaf (ich gehe zwischen 21 und 22 Uhr zu Bett und Bewegung (ich laufe, wenn ich es einrichten kann). Vorallem letzteres möchte ich wieder fokussieren. Ich denke positiv, vermeide es, zu jammern und suche mir Hilfe, wenn ich welche brauche (Coaching, pragmatische Alltagsorganisation etc). Ich sage auch mal Termine ab, wenn ich merke, daß alles zu viel wird.

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5. Was bedeutet es für dich eine „wilde“ Frau zu sein?

In erster Linie, mich mit mir selbst und meiner Umwelt auseinanderzusetzen. Meine Spiritualität zu spüren und zu leben, immer wieder neu zu reflektieren, zu lernen. Prozesse zu durchschreiten und durch Transformationen zu gehen, mich zu spüren. Meine eigene Integrität zu entdecken und immer mehr auch leben. Gleichzeitig aber auch ein Teil von Gemeinschaft zu sein, anderen ein Wegweiser, eine Freundin, eine Inspiration, Partnerin und Mutter zu sein. Ich bin eine Kriegerin.

6. Wie hast du diese innere Wildheit gefunden und in deinem Leben etabliert?

Sie war immer schon da. Ich bin da meinen Eltern sehr dankbar, die mich sein lassen haben, mich meinen Weg haben gehen lassen, meine Erfahrungen machen lassen haben. Und immer so viel Vertrauen und Unterstützung, Rückhalt und Liebe gegeben haben, wie es nötig war, daß ich werden konnte, die ich bin. Entlang meines Weges gab es noch diverse Ereignisse und Ausbildungen, die mich wachsen lassen haben. Das erste Weggehen von Zuhause, meine Ausbildung, mein Studium, Partnerschaften, die Schwangerschaft mit meiner Tochter, die Yogalehrerausbildung, die Gongausbildung, die zweite und dritte Schwangerschaft, Umzüge. Und all die Menschen, die mir auf diesem Weg begegnet sind, die Aufgaben, Wissen und Erfahrungen mitgebracht haben.

Früher habe ich versucht, meine Wildheit, meine Spiritualität, mein Ur-Innerstes durch einen äußeren Rahmen zu finden. Ich habe mich mit dem Christentum beschäftigt, ich habe zu Gott gebetet und wollte mich konfirmieren lassen. Aber es hat sich nicht echt angefühlt. Ich habe mich mit Magie und Hexenbräuchen, mit Paganismus und Wicca auseinandergesetzt und habe an Ritualen teilgenommen. Aber es hat sich nicht echt angefühlt. Ich habe Einblicke in die Sikh Religion bekommen, Gurdwaras besucht, aber es hat sich nicht echt angefühlt. Doch irgendwann, im Laufe der Zeit, habe ich meinen ganz eigenen Glauben, meine ganz eigene Spiritualität in mir drinnen gefunden. Losgelöst von Religion und Konvention. Meine Wildheit. Jetzt fühlt es sich echt an. Wenn ich Lust auf Rituale habe, dann schaffe ich sie mir. Oder nehme daran teil. Egal wo und in welcher Religion. Dann weiss ich aber auch, daß es was mit mir zu tun hat. Mit meinem Herzen.

7. Wie hat sich dein Leben dadurch verändert? / Wie hast du dich dadurch verändert?

Das war ja kein Ereignis und plötzlich war ich wild. Eher ein anhaltender Prozess. Ich merke, wie ich mehr und mehr zu mir selbst finde. Das finde ich sehr schön. In meinem sehr rudimentär geführten Tagebuch gibt es einen Eintrag vom 30.7.2002 (das war 5 Monate nach der Geburt meiner Tochter), welcher nur aus einer Zeile besteht: „Ich bin auf der Suche nach mir selbst.“. Der nächste Eintrag darunter ist vom 14.7.2005 „Das bin ich immer noch, obwohl ich glaube, dem ein Stück näher gekommen zu sein.“ Danach folgte kein weiterer. Dann wurde mein Leben zu voll für Tagebucheinträge. Und heute? 2016? Ich spüre mich, ich fühle mich lebendig, ich bin glücklich und habe letztes Jahr das erste Mal seit meiner Kindheit das Gefühl, wieder irgendwo angekommen zu sein. Bei mir selbst. Keine Suche mehr, sondern eher eine Frage der Ausrichtung, der Orientierung. Manchmal verliere ich mich auch. Aber ich finde mich wieder..

8. Was tust du, um diese wilde Seite in dir zu nähren? Was braucht sie?

Verbindung zu anderen Menschen mit ähnlicher Gesinnung, Gemeinschaft, Spiritualität (im Stillen wie in der Gemeinschaft), Kreativität/Kunst (zB Malen, Schreiben, Collagieren), Singen, Natur (am Meer sein, im See schwimmen, Waldduft schnuppern), Gespräche, Bewusstheit, Dankbarkeit

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9. Was war die größte Herausforderung, die du überstanden hast?

Das ist eine interessante Frage. Denn so spontan fällt mir da gar nichts ein, obwohl mein Leben voller Herausforderungen ist und war. Rückblickend waren die alle gut für mein Wachstum, aber keine hat sich so tief eingebrannt. Klar, da waren Trennungen, unerwiederte Liebe, Streit und Mißverständnisse, Umzüge und Neuorientierung, Geburten. Alles große Dinge. Aber ich glaube, die heimtückischsten Herausforderungen sind immer noch und immer wieder die Auseinandersetzung mit meinen eigenen Mustern und Verhaltensweisen. Aber ich mache Fortschritte, ich lerne, ich gebe mich dem Prozess hin. Ja. Meine größte Herausforderung bin ich selbst. Und ich habe sie bei weitem noch nicht überstanden!

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10. Was tust du bei Rückschlägen?

Neulich erinnerte ich mich daran, daß ich das mal sehr hartnäckig und ehrgeizig war. Diese Fähigkeiten sind im Laufe der Jahre etwas verschüttet gegangen. Da merke ich gerade, daß ich wieder in meine Kraft komme. Eben nicht resigniere und schulternzuckend weggehe, sondern dranbleibe. Ich reflektiere, hinterfrage, probiere vielleicht auch eine andere Herangehensweise. Ich wäge ab, ob es sich lohnt oder vergebene Mühe ist. Ich erinnere mich wieder dran, daß es für die meisten Dinge vorallem Übung braucht. Da gehören Rückschläge dazu. Aus ihnen können wir am meisten lernen. Darüber hatten wir neulich im Kindergarten auch ein Gespräch. Wie wir heutzutage in einer Kultur leben, in der Fehler etwas Schlechtes sind. Dabei können gerade Fehler und Rückschläge die tollsten Wegweiser sein. Wie heisst es so schön:

„Hinfallen. Aufstehen. Krone richten. Weitergehen.“

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11. Was liest du gerade?

Gerade habe ich „18 minutes. Find your focus, master distraction & get the right things done“ von Peter Bregman fertig gelesen.

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12. Welche drei Menschen haben dich am meisten inspiriert?

Nanak Dev Singh, der lange Zeit mein Lehrer war, mit Yoga, Gong und Gatka

Dan Milman mit seinem Buch „Der Pfad des friedvollen Kriegers“

Meine Tochter, mit all ihren Aufgaben für mich, die sie mitbrachte und mitbringt

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13. Was motiviert dich weiter zu machen?

Meine Lebenskraft. Große Lebenslust. Die Bedeutung, die vielleicht auch mein Sein für andere hat.

„A life is not important except in the impact it has on other lives.“ (Jackie Robinson)

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14. Hast du ein Lieblingsmantra? Eine Lieblingsaffirmation die du teilen möchtest? (und warum?)

Mein momentanes Lieblingsmantra:

„She believed she could, so she did.“

Aus dem Kundalini Yoga mag ich immer noch sehr gern den chant:

„I am the light of the soul, i am beautyful, i am bountyful, i am bliss, I am I am“

Beide, weil sie mich an die Kraft und das Potenzial erinnern, was ich in mir trage.

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15. Bitte Teile ein paar weise Worte mit uns, die du durch deine spirituelle Arbeit gelernt hast:

Alles hat seinen Sinn (Everything happens for a reason)

 

Über Jademond

Ramona ist Mutter von drei Kindern, Kommunikationsdesignerin und Kundalini-Yogalehrerin. Auf Jademond.de bloggt lässt sie dich teilhaben, an ihrer Kreativität (Tintenkleks und Pinselstrich) und an ihrem Leben selbst – dabei schafft sie es immer und immer wieder, zu inspirieren, sich über das Leben und (ihre eigene) Spititualität Gedanken zu machen und dich in ihren wunderschönen Fotografien und Werken zu verlieben. Sie hat 2012 ihren Podcast „Gedankengut“ begonnen, in dem sie Rezepte, Anleitungen und Meditationen teilt – darunter natürlich auch ihre Gedanken zur Spiritualität, dem Mutter sein und dem Leben. Seit diesem Jahr kann man ihre wunderschönen Karten und Kunstdrucke auch bei Kallimagie bekommen. Ramona ist für mich eine Lehrerin in vielen Bereichen, besonders was das Muttersein, Ökologie, Organisation und „wahrhaft sein“ angeht – aber um ehrlich zu sein, liebe ich all ihre Beiträge. Also, husch mal rüber und riskiere einen (Achtung, es wird sicherlich nicht bei einem bleiben) Blick!

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