Innehalten, um zu fließen

Die letzten anderthalb Monate waren unglaublich aufregend.
Ich bin viel gereist, habe einen neuen Job angefangen und familiär verändert sich derzeit auch sehr viel.

Mit dem neuen Job kamen die 11 Stunden- Tage. Neben der Begeisterung für die neue Situation entstand sehr schnell ein sehr tiefes Bedürfnis nach Ruhe und Auftanken. In einer ersten „Panik-Reaktion“ dachte ich Anfang letzter Woche  „Oh mein Gott, wie soll ich das hinkriegen, die Tage sind doch viel zu kurz. Wann soll ich denn bitte noch leben, auch wenn mir der neue Job großen Spaß macht? “

Irgendwann im Laufe der letzten Woche saß ich dann nach der Arbeit im Zug und starrte aus dem Fenster so vor mich hin. Sah das Grün und die Städte an mir vorbei rauschen und ließ mich in diesen Sog hinein fallen. Und plötzlich war ich im Fluss. Ich merkte erstaunt, wie in mir das Leben pulsierte. Wie ich trotz des langen Tages voller Kraft und Vitalität bin. Wie ich zwar momentan müde von der Arbeit, aber dennoch ganz und bei mir bin. Wie sehr mich diese neue Arbeit erfreut, und wie sehr das Neue jeden Tag meinen Geist füttert.
Ein schönes Gefühl.

Lebendig-Sein.

Da wurde mir schlagartig klar, dass meine Arbeitszeit keine „verlorene“ Zeit ist. Das sie auch MEIN Leben ist. Dass es an mir liegt, ob ich sie als genau das wahrnehme – als LEBENSzeit. Dass es an mir liegt, wie ich in mir drin damit umgehe – bewusst und froh, wertschätzend und dankbar für all das, was ich in der Lage zu bewerkstelligen bin, oder abwehrend, im Mangelgefühl verfangen.  Diese Erkenntnis machte mich unglaublich froh. Und innerlich ruhig.
Sicher habe ich jetzt weniger arbeitsfreie Zeit, und gerade jetzt muss ich besonders wachsam mit mir selber umgehen, um meine Kräfte so zu verteilen, dass ich im Fluss bleiben kann. Aber allein schon dieses Gefühl, dass ich im Fluss sein kann, in so einer profanen Situation, wie dem Bahnfahren auf dem Nachhause-Weg, das hat mich innerlich sehr gestärkt.

… Innehalten um zu Fließen ….

Seit diesem Aha-Moment ist der bewusste Umgang mit mir und meinen mir zur Verfügung stehenden Ressourcen wieder sehr in den Vordergrund gerückt. Ich halte im Alltag inne, erspüre mich in diesem Moment ganz und gar und freue mich einfach an all diesen kleinen Situationen, die mir sonst vielleicht einfach gar nicht aufgefallen und ins vordergründige Bewusstsein gekommen wären; genieße das Neue, Aufregende und manchmal auch ein wenig Ungeplante in meinem Leben. Fühle mich lebendig, ganz, da, im Fluss … und habe spannender Weise nicht mehr das Gefühl, dass mein Tag zu kurz ist, dass meine Zeit zum Leben nicht ausreicht.
Ich finde es immer wieder unglaublich spannend, wie sehr ein scheinbar winzig kleiner Perspektivwechsel, wie sehr eine winzig kleine bewusste Änderung der inneren Haltung, so viel in einem auslösen kann.

Habt eine schöne Woche.

2 Gedanken zu „Innehalten, um zu fließen

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