Die Kraft der Natur (Teil 2) – Im Wasser fließen

Mein geheiligter Ort, Mein Kraftquell, See, Erlen

Dieses Wasser ist mir heilig, dieser See ist mein Kraftort.

Ich liebe es, Baden zu gehen. Besonders jetzt, wenn das Wetter so warm ist, gibt es für mich nichts Wunderbareres, als in „meinen See“ zu springen.See, Schwimmen

Ein wenig weiter hinaus zu schwimmen und mich dann auf dem Wasser treiben zu lassen.
Das Wasser um mich herum fließen zu lassen.
Schon während ich die ersten Schwimmzüge mache, kommt es mir so vor, als hieße mich der See willkommen und wüsche mit jedem Schwimmzug einfach immer mehr und mehr Alltagsschmutz ab, den sichtbaren und den unsichtbaren. Ich spüre das Wasser an mir entlang fließen, meine Haut streicheln, mich willkommen heißen. Irgendwann lasse ich mich dann einfach, auf dem Rücken liegend, treiben. Meine offenen Haare mäandern wie Wasserpflanzen um mich herum und ich liege einfach nur auf dem Wasser und schaue in den Himmel. Sehe Wolkengebilde vorbei wandern und spüre die Weichheit des Wassers, das mich einfach trägt und gleichzeitig umschmiegt, wie eine zweite Haut.

Himmel, WolkenIch atme langsam und ruhig – und komme einfach komplett runter.
Raus aus dem Trott.
Raus aus meinen Gedankenströmen.
Raus aus dem Alltagsdrama.
Da ist einfach nur das Wasser, das Licht, der Himmel und ich.
Hin und wieder schwappen kleine Wellen gegen mein Kinn oder über mein Gesicht und zaubern Regenbogentropfen in meine Wimpern. Der See unter mir ist tief und klar. Und je länger ich einfach da liege und auf der Oberfläche vor mich hin treibe, desto mehr habe ich das Gefühl, dass diese Klarheit des Wassers mich durchströmt, dass sie beginnt, auch in mir Klarheit zu schaffen. Die Dinge auf das Wesentliche reduziert, während ich getragen werde.

Dieses Wasser ist mir heilig, dieser See ist mein Kraftort.

Ein nur schwer in Worte zu fassendes Gefühl von Glückseeligkeit kommt mit der Klarheit. Manchmal nur sehr leise und still, manchmal mit überschäumender Freude.
Hin und wieder auch nur sehr zögerlich – meistens dann, wenn ich traurig, verletzt oder wütend bin. Dann fühle ich bewusst hin in dieses Gefühl des mich fast überall berührenden, tragenden Wassers, lehne den Kopf soweit zurück, dass bis auf die Nase und den Mund fast nichts mehr von mir aus dem Wasser heraus schaut, spüre die Kühle des Wassers an meinem warmen Kopf, spüre, wie meine Haare um mich herumtanzen und stelle mir vor, wie diese wohltuende Kühle die Hitze und das „Zuviel davon“ aus meinem Kopf einfach in sich aufnimmt. Wie das Hitzige, das Lodernde aus meinem Kopf hinaus einfach ins Wasser fließt – all das, was mich innerlich „kochen und brodeln“ lässt. Spüre, wie die Kühle meinen Kopf sanft umfängt und mich einfach trägt. Und dann kommt es, dieses Gefühl der fließenden Klarheit, dieses Gefühl des ganz im Moment glücklich Seins.

Alltags-Stolpersteine

Dummerweise ist dieser See gute sieben Fahrstunden von meinem jetzigen Zuhause entfernt, denn er ist ein Ort der Sommer meiner Kindheit. Und natürlich halten sich die Sehnsucht und das innere Bedürfnis nach diesem Gefühl vom See getragen zu werden und mit dem Wasser zu fließen, nie so wirklich an meine Urlaubszeiten.
Also musste ich für mich andere, weitere Möglichkeiten finden. Und wie das so ist, habe ich mich selber viel zu lange gesträubt, und gar nicht erst versucht, etwas zu finden, denn „meinen See“ kann ja sowieso nichts ersetzen.
Redete ich mir ein.
Und schnitt mich selber von einem, mich ganz wunderbar einfach glücklich machen könnenden Gefühl ab. Aus Angst vor der Sehnsucht nach „zu Hause“, aus Angst vor dem Gefühl, dadurch vielleicht meine Wurzeln zu verlieren, aus Angst vor der Einsamkeit und dem Gefühl des tiefen Verlustes, weil dieser Ort einfach nicht mal eben so greifbar war. Kokolores, sag ich Euch!
Irgendwann, nach langer Zeit ging mir dann auf: Ja, ersetzen kann meinen See nichts.
Aber dieses Gefühl, das ist in mir. Und das Fließen, diese kühle, wohltuende Klarheit, die ist auch in mir selber. Mein See ist nur der vertrauteste Weg, mich daran zu erinnern.
Und während die Rädchen im Gehirn mit einem lauten Klicken endlich in ihre richtige Position eingerasteten, kam mir so der Gedanke: Mensch, du hast doch mindestens 3-4 verschiedene Schwimmbäder mit Außenbecken bei dir in der Nähe. Mit Salzwasser oder Sole, die auch abends noch geöffnet haben, wenn der ganze Trubel durch ist. Eines davon liegt sogar direkt neben einem See, so dass du im Mondschein badend die Frösche quaken und die Grillen zirpen hören kannst. Und im Winter nimmst du halt die Sole-Therme. Die ist bloß ne halbe Stunde weg.
Hör auf, Dingen nachzuheulen, die du nicht ändern kannst und beweg dich.
Geh los. Finde endlich FÜR DICH SELBST neue, gute Orte!
Probier es zumindest mal aus.
Trau dich!

Losgehen und Finden

Manchmal hilft ja bekanntermaßen einfach nur Losgehen. Wie sagt meine Mama immer: „Sorgen, packt eure Koffer, wir verreisen!“ Also packte ich meine Ängste und Sorgen gut in meinen Schwimm-Kulturbeutel und machte mich auf den Weg.
Und siehe da. Das Gefühl von fließender Klarheit und Getragen-Werden kam auch im Freibad beim Mondscheinschwimmen, in der Sole-Therme, oder im warmen Kinderbecken der örtlichen Schwimmhalle. Natürlich fühlt es sich an jedem Ort ein bisschen anders an – und das großartige daran ist, dass diese Verschiedenartigkeit der Örtlichkeiten es mir je nach Stimmungslage sogar leichter macht, bestimmten inneren Zuständen zu begegnen und diese loszulassen.
Manchmal brauche ich warmes, salziges Fließen, wenn ich mich innerlich erstarrt fühle. Manchmal brauche ich Mondschein-beschienenes, weiches, lichtgefülltes Fließen, um die Zartheit in mir zu stärken. Und manchmal einfach nur das Gefühl, getragen zu werden.
Natürlich sind all diese Orte nicht mein See. Aber sie sind auf ihre eigene Art und Weise wunderbar und lassen mich innerlich fließen. Und klar werden und ruhig. Und einfach kurz glücklich sein.

Was lässt Dich innerlich (wieder) fließen und verschafft Dir Klarheit?

Hab eine schöne Woche.

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