Bist du spirituell genug?

Erfahre hier, ob du wirklich spirituell genug bist für die heutige Zeit, oder ob du dringend etwas ändern solltest. (Dies ist ein kritischer Beitrag über die Szene und über den eigenen Selbstwert und repräsentiert meine persönliche Meinung)

Wenn ich mir die spirituelle Szene so ansehe, gibt es unausgesprochene Regeln, die man einhalten sollte, um sich in der Szene richtig zu fühlen. Wenn man es wirklich richtig machen will, dann meditiert man jeden Tag, ernährt sich vegetarisch (besser noch vegan oder roh) und man minimiert den eigenen ökologischen Fußabdruck (besser wäre aber Zero Waste). Man trinkt täglich einen grünen Smoothie, besser wären aber mehr, und natürlich grüne Säfte, für die Kräuter und Co aus dem eigenen Garten holt. Es ist wichtig, wirklich täglich hinaus zu gehen, um sich mit Mutter Natur zu verbinden, Bäume zu umarmen, und natürlich die Pflanzen um Erlaubnis zu bitten, wenn man etwas pflückt. Lange Haare sind auch energetisch besser zu handeln, als kurze und dann ist da noch die Kleidung. Entweder man trägt erdfarbene lange Walle-Kleider, oder zumindest ausgefallene Lagenkleidung, die am besten Ökologisch, aber am sinnvollsten noch selbst gefärbt sind.
Hast du heute schon dein Wasser mit den aufgeladenen Kristallen vom letzten Vollmond getrunken?
Hast du dein Aura Soma Öl wirklich jeden Tag angewendet?
Natürlich sollte man die Wohnung regelmäßig mit ausgewählten Räucherungen reinigen, oder zu mindestens Paulo Santo nutzen. Dann sind da noch die täglichen Affirmationen zur Selbstliebe, die Malas, die man trägt und der Kristallschmuck. Man sollte auf jeden Fall eine Auswahl an Kristallen haben, wenn wir schon dabei sind – und sie wirklich zu jedem Vollmond im Mondlicht baden lassen, um sie zu energetisieren.
Über dem Essen, spricht man positive Affirmationen, oder besser noch – man singt indische Mantren. Das Essen ist Ayurvedisch auf die Familie abgestimmt, und mit Ghee gekocht, dass zum letzten Vollmond in Stille hergestellt wurde.
Täglich sollten auch Orakelkarten gelegt werden, der Körper trocken abgeschrubbt, und mindestens einmal im Jahr sollte man detoxen.
Und natürlich ist es Pflicht, Licht und Liebe zu sein, Menschen zu vergeben und stets ein positives „Mindset“ zu haben.
(diese Liste lässt sich nun um vieles mehr erweitern, aber ich denke, du weißt nun, worum es geht)

Bist du spirituell genug?

Wenn ich das jetzt so lese, muss ich schmunzeln – denn ich habe vieles davon ausprobiert. Vieles davon finde ich toll, anderes weniger, manches kann ich einfach nicht in meinem Alltag integrieren.
Bin ich deswegen weniger spirituell? Oder bin ich spiritueller als andere, wenn ich alles mache?
Gehört man nur zu einer Szene, wenn man sich an die „Regeln“ hält“

Oft tun wir Dinge, die wir eigentlich gar nicht tun wollen (oder sich nicht richtig anfühlen), weil wir Angst haben, sonst nicht dazu zu gehören. Man bekommt das Gefühl, wenn eine Sache im Leben dann nicht funktioniert, obwohl man vieles umgesetzt hat, sich noch weiter rein zu hängen – eine Art Perfektionismus an zustreben: noch spiritueller zu werden, noch „reiner“ zu werden, mehr Detox, mehr heiliges Öl und magischen Rauch… aber das löst das Problem hier nicht.
Der Ursprung liegt auch auf ganz anderer Ebene: bei einem alten Glaubenssatz:

„Ich bin nicht richtig, so wie ich bin“

Das ist der Grund, weshalb wir dann Dinge tun, von denen wir glauben, sie tun zu müssen, um in etwas zu passen, von dem wir glauben, dass es dem Bild von uns entspricht, anstatt das sehen zu wollen, wer wir wirklich sind.

Diese Themen, die ich oben angeschnitten habe, sind alle interessant, und viele machen einen Sinn und können tatsächlich die Qualität des eigenen Lebens verbessern, aber ich möchte zur Wurzel der Spiritualität kommen…

Was bedeutet Spiritualität für dich?

Spiritualität ist für mich ein individueller Ausdruck meiner Beziehung zum Göttlichen (setzte hier dein Glaubensmodell ein). Es ist mein persönlicher Versuch, meine Beziehung zum dem Göttlichen in meinem Alltag zu integrieren. Dazu sind viele Hilfsmittel für mich sinnvoll und ich liebe es, sie zu tun. Und dann gibt es Dinge, die mir einfach nicht so liegen, die sich nicht gut anfühlen oder die „nur phasenweise“ zu mir passen.
Das ist ok.

Für mich gibt es nur eine Regel: Es gibt keine Regel

Es gibt keine Regeln, denen man folgen muss, um „spirituell“ zu sein – kein Glaubenssystem, was richtiger ist, als ein anderes. Es geht hier um die Freimachung von Ängsten, sich selber so an zu nehmen, wie man JETZT ist. Sich der Liebe zu dem Göttlichen hinzugeben, und darauf vertrauen, dass der Weg sich zeigt. Folge der Freude – und lass die Dinge sein, die sich nicht richtig für dich anfühlen.

Das Leben ist unperfekt und unvorhersehbar – was heute gut ist, mag sich morgen falsch anfühlen. Und wenn du gerne Regeln hast, dann entwerfe deine eigenen Regeln: Frage dich, was Spiritualität für dich bedeutet – welchen Sinn sie in deinem Leben machen soll. Was brauchst du von ihr?
Was willst du durch sie erreichen? Willst du achtsamer im Alltag sein? Möchtest du deine Gedanken verändern und „positivere“ Gedanken haben? Brauchst du mehr Selbstliebe und mehr Selbstwert?

Ich finde, dass das Feld der Möglichkeiten sehr groß ist, und es kann gerade zu Beginn undurchsichtig und überfordernd sein, weil man sieht, was andere tun, und man das Gefühl bekommt, auch diese Dinge tun zu müssen.
Spiritualität ist heute mehr ein „Lifestyle“ geworden, und manchmal habe ich das Gefühl, wir vergessen den Ursprung.

Wenn du für dich einen Anfangspunkt gefunden hast, den du erkunden willst, dann tue das, nimm dir Zeit dafür. Es geht nicht um „besser, schneller, weiter“, sondern darum, dich selber auf dem Weg zu finden. Du willst nach Hause kommen – zu dir.
Du bist an der richtigen Stelle, zum richtigen Zeitpunkt. Lass dir Zeit, gehe deinen Weg, probiere Dinge aus, und erlaube dir, die Dinge in deinem Alltag zu integrieren, die jetzt zu dir passen, und Dinge raus zu schmeißen, die sich nicht gut anfühlen, oder eben jetzt nicht funktionieren.
Du musst nichts tun, um „spirituell“ zu sein.
Wir verändern uns kontinuierlich – unsere tägliche Praxis darf es auch. Manchmal machen wir ganz viel – zu anderen Zeiten gar nichts. Auch das ist in Ordnung.

Spirituell sein, ist für mich eine Einstellung, die im inneren passiert – und der Ausdruck, ist so individuell, wie du es bist.

Möglicherweise bin ich für die Szene höchst spirituell – möglicherweise auch überhaupt nicht. Es spielt für mich keine Rolle, weil es auf meine Beziehung mit dem Göttlichen keinen Einfluss nimmt. Da ist die Basis sogar noch viel einfacher – ich spreche mit ihr…täglich. Das ist meine höchst spirituelle Praxis, die nicht hübsch auf Bildern ausschaut, und auch nicht wirklich hübsch darstellbar ist…

Der spirituelle Weg aber, führt nach Innen – zurück zu dir – zurück zur Quelle deiner Seele.

Möglicherweise barfuß durch den Wald, möglicherweise aber auch im Anzug und Krawatte im Büro.

Was ist Spiritualität für dich?

2 Gedanken zu „Bist du spirituell genug?

  1. Huhu,

    daanke für diesen Beitrag 🙂
    Ich bekomm oft schwurbelige Gedanken, wenn wieder gefordert wird, dass ich doch tunlichst mindestens Vegetarierin sein müsste….und bitte ja auch ZeroWasterin wär super.
    Ich denke für mich, ich bin spirituell, hege auf meine Weise den Kontakt zum Göttlichen und zu den Menschen und wenn mich jemand wegen meinem Weg nicht mag, dann hat er Pech gehabt 😉
    Ich weiß noch, weil ich schon als Kind gelernt habe, Müll zu trennen, wie es damals hieß „wie du trennst Müll, wir nicht“, dass das damals ungewöhnlich war und jetzt ist das nicht mehr genug. Nun darf man keinen Müll produzieren und man darf auch kein Fleisch mehr essen usw.
    Wie sich alles wandelt…*seufz*

    1. Liebe Nore,
      für mich besteht wirklich die feste Überzeugung, dass es nur einen richtigen Weg gibt – den eigenen… und du legts deine Werte fest. Und wenn es sich für dich richtig anfühlt, ist es gut. Aber wir kennen das, denke ich, alle – verurteilt zu werden, weil wir Dinge anders machen/nicht alles umsetzten, was andere umsetzten oder nicht das tun, was andere für richtig/falsch halten…
      Ich finde, es klingt so, dass du deinen eigenen Weg gehst – und das ist das wichtige
      Alles Liebe
      Ana

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.